Der innere Schweinehund

Warum der innere Schweinehund auch mal gewinnen muss

Wie oft hört man diesen nervigen, oft aber nur gut gemeinten Rat: „Du musst nur deinen inneren Schweinehund überwinden!“. Was aber, wenn man keine Lust auf eine Diskussion mit seinem Schweinehund hat und ihn einfach mal nicht überlistet? Warum es auch mal wichtig ist, seinen kleinen geistigen Mitbewohner gewinnen zu lassen und wie man seinen Frieden damit findet.

Klar, zum Sport muss man sich aufraffen. Und nach einem anstrengenden Tag in der Arbeit ist das sicherlich nicht einfach. Die Vorstellung von der gemütlichen Couch zu Hause, einem Glas Rotwein und ein bisschen TV Zapping ist einfach zu verlockend – schließlich hat man sich heute ja schon völlig verausgabt und ist ausgelaugt. Der Tritt in den eigenen Hintern ist manchmal notwendig, um auf dem Nachhauseweg dann doch noch die Abzweigung zum Fitnessstudio zu nehmen oder sich seine Laufsachen überzuziehen. Habt ihr euch aber schon mal gefragt, warum es diesen inneren Schweinehund eigentlich gibt? Und ob es an der ein oder anderen Stelle vielleicht auch mal Sinn macht, zu kapitulieren?

Die Redewendung „der innere Schweinehund“ geht auf den zur Wildschwein-Jagd eingesetzten Sauhund zurück, der für das Hetzen, Ermüden und anschließend Festhalten der Wildschweine zuständig war. Das klingt jetzt erst einmal ziemlich brutal. Im übertragenden Sinne bedeutet das aber einfach, dass es in jedem Menschen einen inneren Anteil gibt, der einem davon abhält, scheinbar unangenehme Dinge zu tun – wie sich zum Beispiel nach einem anstrengenden Tag auf den Crosstrainer zu schwingen.

Ich teile jetzt eine wichtige Erkenntnis mit euch, die ich erlangt habe, als ich in einer Phase des „Übertrainings“ war – körperlich erschöpft und absolut ausgelaugt, ständig im Kampf mit mir selbst und meinem inneren Schweinehund: lasst euch von eurem Sauhund festhalten, kommt zur Ruhe und atmet erst einmal tief durch! Es hat einen Grund, warum euch euer Körper sagt „Heute bewege ich mich lieber nicht, denn ich bin müde und mein Bedürfnis ist es, zu schlafen und meine Akkus wieder aufzuladen“.

Leichter gesagt als getan. Ihr fragt euch jetzt bestimmt: Wie mache ich das, ohne dabei gleich ein schlechtes Gewissen zu bekommen?

Schüttelt dem Schweinehund „die Pfote“

Wenn euch euer kleiner Freund begegnet, sagt ihm doch erst einmal „Hallo“. Anstatt jetzt wegzurennen und sich von ihm jagen zu lassen (obwohl ihr sowieso schon wisst, dass ihr heute verlieren werdet), schüttelt ihm die Pfote und ergebt euch. Wegrennen kostet Energie und diese wollen wir ja eigentlich nicht verlieren, sondern tanken!

Zelebriert eure Kapitulation

Da der Schweinehund seinem Jagdtrieb nicht nachkommen konnte, ist er ziemlich enttäuscht und wird sich gelangweilt zurückziehen. Fang jetzt ja keine unnötige Diskussion mit ihm an, das wird nur dazu führen, dass ihr doch noch ein schlechtes Gewissen bekommt. Genießt stattdessen eure Kapitulation und feiert euren Triumph (ja, die Kapitulation ist in gewisser Weise ein Triumph)! Sprich, zelebriert euer heutiges Dasein als Couchpotato, kocht euer Lieblingsgericht, setzt euch vor den TV oder schnappt euch ein gutes Buch und lasst euch berieseln.

Setzt euch realistische Ziele

Stop! Nein! Ihr denkt jetzt wohl nicht daran, euer vermeintliches Defizit morgen irgendwie auszugleichen zu müssen, ganz nach dem Motto „Morgen stelle ich mich dann einfach eine Stunde länger aufs Laufband“? Falsche Herangehensweise, denn damit baut ihr nur unnötig Druck auf und fangt schon wieder an, gegen euch selber zu kämpfen! Ganz schnell hat euer Schweinehund dann wieder Spaß daran, euch zu ärgern. Macht stattdessen morgen weiter wie ursprünglich geplant. Wenn ihr nur eine lockere, kleine Runde laufen gehen wolltet, dann nehmt euch nicht einen Halbmarathon vor. Setzt euch realistische Ziele! Vielleicht ist es sogar sinnvoll, weiterhin im Standgas zu fahren, da eure Akkus noch nicht vollständig wieder aufgeladen sind.

Hört auf euren Körper

Was ich eigentlich sagen will: Natürlich ist es lobenswert, sich regelmäßig zu bewegen und eine gewisse Trainings Disziplin an den Tag zu legen. Es ist auch gut, sich aufzuraffen, wenn man gerade eine „Ich hab da gerade null Bock drauf“-Einstellung hat. ABER: Manchmal ist man einfach wirklich erschöpft und es wäre kontraproduktiv, sich noch mehr zu belasten. Stattdessen sind Ruhe und Schlaf angesagt. Das braucht der Körper nämlich, um zu regenerieren. Hört auf euren Körper und stellt euch jedes Mal, wenn der innere Schweinehund in Kampfstimmung ist, die Frage: Habe ich gerade genug Energie, um ihn zu überwinden, oder bin ich einfach erschöpft und brauche eine Pause?

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